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Thematische Einführung 2012

Als Friedrich II. 1740 in einer zur Rührung der Massen inszenierten Zeremonie König in Preußen wird, ist es an der Zeit, seine Visionen aus Rheinsberger Tagen umzusetzen: Friedrich will ein Großer der Geschichte werden. Dazu veredelt er die strenge Disziplin und den Verwaltungssinn seines Vaters mit kulturellem Glanz.

Die barocken Schlösser der Väter bekommen Konkurrenz: Sanssouci wird Aushängeschild des preußischen Rokoko, verspielt und heiter, Rosen und Ranken holen die Natur in die Räume. Friedrich inszeniert seinen Hofstaat als Gesamtkunstwerk aus Baumeistern, Musikern, Literaten, Philosophen und internationalen Staatsgästen. Nach dem Dresdner Vorbild baut er die Hofmusik aus, die Rheinsberger Musiker werden zur Berliner Hofkapelle, 1742 eröffnet die noch unvollendete Hofoper, und Johann Joachim Quantz wird der Flötenlehrer Preußens. Friedrich selbst ist Intendant dieses Musenhofs und des Staates, in seiner Lieblingsrolle als musizierender Aufklärer auf dem Königsthron.

Der Plan geht auf: Europa schaut nach Berlin und Potsdam. Friedrichs Sprache und Literatur sind französisch, seine Musik italienisch. Nur seine Politik braucht keinen Dolmetscher: Kein halbes Jahr nach seiner Krönung besetzt der 28jährige das wohlhabende Schlesien. Kaiserin Maria Theresia will sich mit dem Verlust ihrer Provinz nicht abfinden, doch Friedrich kommt ihrem Angriff zuvor. Der Siebenjährige Krieg der Nationen kennt keine Sieger. Auch Preußen ist ausgeblutet. Mit dem Neuen Palais setzt Friedrich seinem Willen zur Größe noch einmal ein Denkmal. Doch die Musik des Jahrhunderts spielt längst nicht mehr am Hof, sondern in den bürgerlichen Zirkeln der Metropolen.

Zum Beispiel in Berlin. Im Tauwetter der Aufklärung erwacht das Berliner Bürgertum zu geistigem Leben, und auch die Herzen schmelzen. In ihrer Freizeit veranstalten Friedrichs Hofmusiker die ersten öffentlichen Konzertreihen nach dem Vorbild Londons. Über 300 „Kenner und Liebhaber“ der Stadt musizieren Händels „Messias“ im Berliner Dom. Der Montagsklub vereint Musiker und Philosophen der Zeit, ein neuer Kunstbegriff wird erfunden, debattiert und aufgeschrieben – die Empfindsamkeit. Carl Philipp Emanuel Bach überträgt mit dem „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“ die neuen Regeln auf die Tasteninstrumente: Musik soll die Herzen rühren, dann allein ist sie als Sprache universell und menschlich.

Während die Königshäuser weiterhin militärische Gräben ziehen, vereinen die Komponisten des bürgerlichen Konzertwesens, darunter Haydn, Gossec, Stamitz, die Bach-Söhne und Mozart, das zerstrittene Europa zu einem gemeinsamen Geschmack. In diesem Europa hat Friedrichs Staat seinen Platz als Großmacht erstritten.